Über die Therapie
Setting statt Technik
Die daseinsanalytische Therapie orientiert sich in ihrer Arbeitsweise am Grundzug menschlichen Daseins. Dasein meint: da, hier, jetzt offen zu sein für all das, was sich mir zuspricht und dabei grundsätzlich frei zu sein in der je eigenen Art und Weise des Entsprechens. Die Daseinsanalyse versteht jede Form von Krankheit und Leiden als Einschränkung dieser ganz individuellen Offenheit und Freiheit.
Offenheit und Freiheit sind nicht nur Wesensmerkmale menschlichen Existierens. Es sind zugleich auch die Prinzipien, nach denen sich die Therapie gestaltet. Statt therapeutischen Übungen und Techniken, die immer schon ein gewisses Ziel verfolgen, gilt es in der Daseinsanalytischen Therapie auf jede Technik, überhaupt auf jede vorstrukturierte Form von Begegnung zwischen Therapeut:in und Patient:in zu verzichten. Dieses Ereignis der Begegnung, das sich in jeder Einheit wiederholt und zugleich jedes Mal neue Wege und Möglichkeiten der Beziehung offenbart - diese Ereignis soll offen gehalten werden, so dass sich im geschützten Rahmen der Therapie die ganz individuelle Art und Weise zu sein zeigen und entfalten kann.
Das analytische Einzelsetting - die Couchlage - ist eine Gestaltung der Gesprächssituation nach den genannten Prinzipien der Offenheit und Freiheit. Das Liegen soll dabei helfen, sich nicht vom Gegenüber, dessen Mimik, Gestik und Blick ablenken zu lassen, sich auch nicht um das eigene Auftreten unter dem Blick des Anderen zu bemühen, sondern möglichst offen und frei wahrzunehmen, was in den Sinn kommt; was gespürt und wahrgenommen wird; wie und was mit einem geschieht. Es soll dabei helfen offen zu werden für sich selbst und schließlich auch so frei zu werden, dass all diese Wahrnehmungen, Empfindungen, Stimmungen und Gedanken in der Gegenwart des Anderen zugelassen und ausgesprochen werden können. Das Liegen soll dabei helfen, zu sich zu kommen.
Träume können in einem solchen therapeutischen Prozess besonders wertvoll sein, denn im Unterschied zum Wachen ist das Sein im Traum nicht von vorgegebenen Situationen des Alltags geprägt und bestimmt. Im Traum ist schlichtweg alles möglich. Mehr noch als im Liegen bin ich im Traum somit nicht von Anderen und Anderem her bestimmt, sondern auf mich in meinem Sein zurückgeworfen. Im Traum zeigt sich noch mehr als im Liegen das Eigene.
Haltung oder “was uns in unserer Arbeit wichtig ist”
Offen zu sein sowohl für das, was in unserer Welt allen Menschen gemeinsam ist, als auch für das jeweils Einmalige einer Person.
Auf die mitgeteilte Lebensgeschichte zu hören, die in ihr enthaltenen Konflikte und Verletzungen sowie Möglichkeiten der Heilung.
Zu schweigen, um persönliche Vorannahmen, rationalisierende Erklärungen, vorschnelle Diagnosen und Deutungen loszulassen und um uns Zeit für die Sammlung zu geben, die uns hilft aus der alltäglichen Zerstreuung herauszukommen und wach zu werden für die Tiefe und Weite unseres Daseins.
Miteinander zu sprechen, damit das Gewesene, das Gegenwärtige und das Kommende in der therapeutischen Begegnung artikuliert werden können.
Das Achten auf leibliche Befindlichkeit, die Stimmungen und das Traumleben. Darin können sich verdrängte oder unbeachtete Seiten unserer Existenz zeigen sowie Hinweise auf bislang verschlossene Daseinsmöglichkeiten.
Gemeinsam verstehen zu lernen, Selbsterkenntnis und Selbstannahme zu fördern.
Die das therapeutische Geschehen tragende Stimmung der Gelassenheit zu pflegen und so im Warten und Vertrauen auf den rechten Augenblick der Wachstumsschritte einen belastbaren, stabilen Beziehungsraum zu schaffen.
„Sich einer Sache oder einer Person widmen, heißt sie mögen“ (M. Heidegger, Humanismusbrief)
Unser Angebot
Das Daseinsanalytische Institut für Psychotherapie, Psychosomatik und Grundlagenforschung wurde 1995 gegründet und ist vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen als Ausbildungseinrichtung für die methodenspezifische Ausrichtung Daseinsanalyse anerkannt. In diesem Zusammenhang bietet es Patient:innen mit psychischen Problemstellungen ein breites Angebot an psychotherapeutischen Hilfs- und Gesprächsmöglichkeiten.
Bei Behandlungen durch Therapeut:innen, die bereits in der Psychotherapeutenliste eingetragen sind, zahlt die Krankenkasse wie sonst bei niedergelassenen Therapeut:innen. Bei Therapeut:innen, die vor dem Abschluss Ihrer Ausbildung stehen, ist der Stundensatz um den Beitrag der Krankenkasse gekürzt.
Behandlungsschwerpunkte bilden abklärende Untersuchungen bei unklaren psychischen Zustandsbildern und psychotherapeutische Kurzverfahren bei Patient:innen mit reaktiv und situativ ausgelösten Problemkonstellationen. Wo nötig und indiziert stehen längerdauernde und intensivere Therapieangebote, wie kontinuierlich begleitende, stützende oder mehr analytisch orientierte Therapieverfahren zur Verfügung, vorallem bei Patient:innen, bei denen eine funktionelle und/oder psychosomatische Symptomatik, aber auch Persönlichkeitsstörungen und Suchtkrankheiten, neurotische Entwicklungen (z. B. Panikattacken, Angst- oder Depressionssymptomatik) und Beziehungsprobleme auf privater oder beruflicher Ebene im Vordergrund stehen. Bei psychotischen Zustandsbildern (Schizophrenien, aber auch schwer depressiven oder angstgeprägten Krankheitsphasen) ist bei entsprechender Indikation auch eine medikamentös unterstützende Begleittherapie unter ärztlicher Kontrolle gewährleistet.
Am Institut arbeiten 10-15 Ärzt:innen, Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen. Ihnen zur Seite steht ein Team von erfahrenen Supervisor:innen (Ärzt:innen mit Facharztausbildung in Psychiatrie, PsychologInnen oder Psychotherapeut:innen, die analytisch voll ausgebildet sind und den Status von Lehr- und Kontrollanalytiker:innen haben), unterstützt von der Institutsleitung.
Erstgespräch
Daseinsanalytische Psychotherapie bedeutet eine tragende Beziehung zwischen Therapeut:in und Klient:in und beschränkt sich nicht auf ein Subjekt-Objekt-Verhältnis. In einer Atmosphäre des Vertrauens soll sich die oder der Klient:in zutrauen, das zur Sprache zu bringen, was ihr oder ihm am Herzen liegt. Anfangs kann dies mit Ängsten verbunden sein. Diese werden von der:dem Therapeut:in verstehend begleitet und im Laufe der therapeutischen Beziehung durch bedingungslose Akzeptanz, Echtheit und Empathie zu überwinden gesucht.
Das Erstgespräch dient dem Kennenlernen und der Abklärung von Anliegen, Motiv und Wunschziel des oder der Klient:in. Dabei soll die oder der Klient:in von Anfang an ausreichend zu Wort kommen. Das umfasst sowohl die den Lebensvollzug störenden Probleme und Symptome als auch den familiären und beruflichen Hintergrund, sowie eine etwaige therapeutische oder medizinische Vorgeschichte. Ziel des Erstgeprächs ist es zu klären, ob die Voraussetzungen für das Gelingen einer therapeutischen Behandlung gegeben sind. Als allgemeine Indikatoren zählen dazu der subjektive Leidensdruck, sowie die Motivation sich mit den eigenen persönlichen Konflikten auseinanderzusetzen. Weiters sind eine gewisse Frustrationstoleranz und Beziehungsfähigkeit ausschlaggebend.
Im Erstgespräch soll auch eine Übereinkunft über die weitere Vorgehensweise im Hinblick auf das angestrebte Ziel erreicht werden. Dabei wird besprochen, ob eine Einzelanalyse, eine Kurzzeittherapie, eine stützende Begleitung, oder eine Gruppen-, Paar-, oder Familientherapie am angemessensten erscheint. Welche therapeutische Maßnahme angezeigt ist, dafür ist weniger eine bestimmte Symptomatik ausschlaggebend, als vielmehr die oder der Patient:in selbst.
Besprochen wird weiters auch das Setting, die analytische Grundregel, die Frequenz, die voraussichtliche Dauer und die Kosten der Therapiesitzungen. Thema und Umfang eines Erstgesprächs können manchmal auch mehrere Sitzungen erfordern.